von Roland Scheumeister
FLB-Landespokal Finale
FC Energie Cottbus – VfB 1921 Krieschow 1:2 (0:1)
Energie: Böhnke – Rorig (46. Straudi), Slamar, Cvjetinovic, Lucoqui (72. Guwara) – Campulka (72. Heidrich), Hofmann, Moustfa, Boziaris (44. Michelbrink) – Tattermusch, Biankadi (86. Juckel);
VfB: Mellack – Gerstmann, Bittroff, Grimm, Fuchs – Pahlow, Raak (80. Tesche), Michalski (86. Dreßler), Felgenträger (64. Seibt) – Pereira Rodrigues (87. Knechtel), Hebler (65. Zurawsky);
Tore: 0:1 (12./Eigentor Rorig), 0:2 (60. Michalski), 1:2 (72./Foulelfmeter Biankadi);
Schiedsrichter: Max Göldner (Bad Saarow);
Zuschauer: 10.336
Unser VfB 1921 machte am Samstag, vor einer großen, stimmungsvollen Zuschauerkulisse, im Cottbuser LEAG-Energie-Stadion das vermeintlich Unmögliche möglich und holte sich im dritten Anlauf den brandenburgischen Landespokal. Nach dem bereits im Vorfeld dieser Partie, dank der Platzierung des FCE unter den Top Vier der 3. Liga, die Teilnahme unserer Oberligakicker am DFB-Pokalwettbewerb der kommenden Saison feststand, konnte dieses Finale weitgehend ohne taktische Zwänge ausgetragen werden. Energie, als haushoher Favorit, wollte im eigenen Wohnzimmer zum 13. Mal den Pott holen, während unsere Jungs als krasse Außenseiter angereist waren.
Entsprechend motiviert und von der ersten bis letzten Minute der Nachspielzeit leidenschaftlich kämpfend nahm unsere Mannschaft diese Rolle an. Die Energie-Kicker waren von der Angriffswucht der mit dem Anpfiff mutig und aggressiv spielenden Krieschower durchaus überrascht und brauchten ca. 15 bis 20 Minuten, um ihren Rhythmus zu finden. Die Krieschower konnten mehrfach nur im letzten Moment vor dem FCE-Kasten gestoppt werden, kamen zu Eckbällen und schließlich zum Führungstor, als Energie-Profi Henry Rorig den Ball im Rettungsversuch vor dem einschussbereiten Toby Michalski ins eigene Gehäuse lenkte. Krieschow blieb weiter am Drücker und verfehlte bei zwei hochkarätigen Chancen nur äußerst knapp den Ausbau des Vorsprungs. Peu à peu stellten sich die Cottbuser auf die Spielweise des Gegners besser ein und setzten nun auch eigene Akzente. Es ging bis zur Pause hin und her, mit beiderseitigen Möglichkeiten.
Für Energie konnte das Halbzeitfazit nur bedeuten, dass der Oberligist keinesfalls im Schongang und dem Verzicht auf einige Leistungsträger im Aufgebot zu besiegen ist. Den Krieschowern war klar, dass mit der knappen Führung dieses Spiel, in Anbetracht der höchst unterschiedlichen Rollenverteilung, noch längst nicht gewonnen ist, und stellten sich auf einen furiosen Sturmlauf des Favoriten ein. Tatsächlich übernahm der FCE im zweiten Durchgang die Spielkontrolle und drängte unsere Elf mehr und mehr in ihre eigene Hälfte. Allerdings fehlte ein Stück weit die Durchschlagskraft, um Zählbares zu bewirken.
Unser VfB kämpfte bravourös, bei Ballverlusten sprang stets ein Mitspieler in die Bresche, und unser Keeper Sebastian Mellack hielt sein Gehäuse mit viel Übersicht und guten Reaktionen sauber. Ungeachtet des Powerplays des Drittligazweiten kamen unsere Jungs zu gelegentlichen Gegenangriffen. So führte auch der Abschluss eines sensationellen Konters zum 2:0, als Toby Michalski zur Stelle war und einnetzte. Die Energen wollten ihren Fans natürlich die Blamage ersparen und drehten noch einmal richtig auf. Nun stand die VfB-Abwehr voll im Brennpunkt. Das Energielager forderte in drei Situationen Elfmeter. Im Ermessen des Schiedsrichters wurde aber nur einer gegeben, welcher dann von Meirville Biankadi sicher verwandelt wurde.
Auch als Energie im Schlussgang total überlegen spielte, gelang es nicht, das VfB-Abwehrbollwerk zu knacken. Die Riesenchance unmittelbar vor dem Abpfiff der regulären Spielzeit zum Ausgleich vereitelte Sebastian Mellack mit einer sensationellen Parade, indem er das Streitobjekt über die Torlatte spitzelte. Sekunden danach war es geschafft, und Fußball-Krieschow konnte diesen spektakulären Erfolg feiern.
Abgesehen von den strittigen Elfmetersituationen waren sich beide Trainer in der Bewertung des Spielverlaufs ziemlich einig. Der diesmal für Pele Wollitz verantwortliche Co-Trainer Tobias Röder gratulierte unserem Team zum Sieg und befand: „Wir haben gebraucht, um ins Spiel zu kommen. In der zweiten Hälfte lief es besser, und wir waren deutlich dominanter, ohne mit dieser Wucht klare Torchancen zu erspielen. Über die Entscheidungen des Schiedsrichters bin ich allerdings anderer Meinung als Robert.“
Unser glückstrahlender Chefcoach Robert Koch resümierte: „Wir sind überglücklich. Es war klar, dass wir nicht nach Cottbus gefahren sind, um hier etwas abzuschenken. Bei Vergleichen solch unterschiedlicher Rollenverteilung gewinnt man vielleicht einen von zehn. Heute war so einer. Wir wussten, dass wir hier eine Superleistung abliefern müssen und auch etwas Glück benötigen. Wir sind gut ins Spiel gekommen und im Abschluss eines Superspielzuges zur Führung. Auch in der zweiten Halbzeit haben wir wenig zugelassen und dabei selbst Akzente gesetzt. Für unsere Verhältnisse war es eine Superleistung. Die Jungs hatten Bock, haben alles wegverteidigt und nach einem weiteren tollen Spielzug das 2:0 erzielt. In den Schlusssekunden sicherte unser überragender Torwart mit einer spektakulären Glanzparade den Sieg.“






